Serientäter mit Suchtpotential: Sonderdezernat Q – Jussi Adler Olsen

SerientäterIm zweiten Teil meiner Rubrik „Serientäter mit Suchtpotential“ ist heute Jussi Adler Olsen an der Reihe. Als Spiegel-Beststeller ist Adler Olsen zwar alles andere als ein Geheimtipp – einen Platz in dieser Rubrik hat er sich aber redlich verdient. Der sehr spezielle Komissar Carl Mørck und das ebenfalls nicht sehr alltägliche Sonderdezernat Q haben mittlerweile vier spannende Fälle vorzuweisen, die kurzweilige Krimi-Unterhaltung versprechen. 

Das Sonderdezernat Q

Das Sonderdezernat Q befasst sich mit „Cold Cases“, also mit ungeklärten Mordfällen, die jahrelang zu den Akten gelegt worden waren. An sich noch nichts besonderes. Doch sowohl die Art und Weise, wie das Dezernat im ersten Teil „Erbarmen“ gegründet wird, als auch die Mitarbeiter sind – gelinde ausgedrückt – ziemlich schräg. Carl Mørck tritt tief traumatisiert wieder den Polizeidienst an. Bei einer Schießerei im Einsatz hatte er wenige Monate zuvor seinen Partner Anker verloren. Sein Kollege und guter Freund Hardy wurde ebenfalls getroffen und liegt nun vom Hals abwärts gelähmt im Krankenhaus. Da Mørck durch diese Erlebnisse zunehmend Schwierigkeiten im Polizeialltag hat, kommt es seinen Vorgesetzten ganz gelegen, dass sie plötzlich die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, ein Sonderdezernat für alte, ungelöste Fälle aufzubauen.

Von wegen Karteileichen

Mørck wird im Keller des Präsidiums im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg geräumt. Er bekommt Unterstützung durch den Syrer Hafez el-Assad, der als ungelernte Kraft eingestellt wird und doch erstauntliche polizeiliche Fähigkeiten an den Tag legt. Mit seiner fröhlichen, höflichen Art bildet Assad einen unterhaltsamen und klugen Counterpart zu Mørck, der in seinem Weltbild mit einigen Vorurteilen aufräumen muss.

Bei dieser Besetzung ist es eigentlich kein Wunder, dass das als Beschäftigungstherapie und Geldmaschine angelegte Sonderdezernat schnell für Furore sorgt. Anstatt sich wie „von oben“ geplant in Akten zu vergraben und die Hände in den Schoß zu legen, lösen Assad und Mørck einen spektakulären Vermisstenfall. Im zweiten Teil „Schändung“ komplettiert eine weitere Assistentin, Rose, das Team. Und zu dritt (wer weiß das schon genau…) ist das skurrile Gespann dann wirklich perfekt.

Spannung auf mehreren Ebenen

Die Strickmuster der einzelnen Romane „Erbarmen“, „Schändung“, „Erlösung“ und „Verachtung“ weisen schon „einige“ (Untertreibung der Woche!) Parallelen auf. Aber das tut der Spannung beim Lesen wirklich keinen Abbruch. Durch das Spielen mit verschiedenen Zeitebenen und Erzählreihenfolgen sorgt Adler Olsen immer wieder für Abwechlsung und macht sogar Narratologie-Fans, die gerne nach Analepsen, Prolepsen und Anachronismen suchen, eine Freude.

Der eigentliche Grund dafür, dass ich bisher alle Romane der Reihe gelesen habe (und auch alle weiteren lesen werde), liegt aber in der spannenden und sensiblel erzählten Rahmenhandlung. Denn dass Mørck, Hardy, Assad und Rose lupenreine Durchschnittsbürger sind, wird im Verlauf der vier Romane immer zweifelhafter. Auch wenn die einzelnen Stories zuweilen etwas reißerisch sind: Die Verwebung von aktuellen Fällen und den Vorgeschichten der Hauptcharaktere ist wirklich spannende Unterhaltung. Rasant, tragisch und immer packend – wer gut durchdachte und durchgestylte Krimis mag, wird die Krimis um Mørck und Co. verschlingen.

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