verspätete Montagsfrage: Bekenntnisse eines Buch-Abbrechers

Raymond Chandler - The Big SleepIch hatte eigentlich gar keine Lust zu bloggen. Worüber auch! Mein Lesepensum hat einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Doch dann hat mich die Montagsfrage via bücherblog.org auf die Idee gebracht: Ich lasse meine miese Lese-Laune einfach an Euch aus!

Zwei frustrierende Wochen liegen hinter mir. Ich bin ein Abbrecher, ein Buch-Loser, ein Quitter! Deswegen habe ich mich eine Woche lang meinem Schmerz hingegeben und mich als gebrochene Leserin in meinem Kämmerlein verkrochen. Wenn Ihr diese Luxusprobleme kennt und mein Leid verstehen könnt, dann lest ruhig weiter. Wenn nicht, dann sagt später nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

„Is my boyfriend still blotto?“

Das schlimme ist, dass ich mich auf die Bücher wirklich gefreut habe. Raymond Chandler stand zuerst auf der Liste. Und – Ihr ahnt es schon: „The Big Sleep“ hat mich in der S-Bahn einschlafen lassen. Versteht mich nicht falsch, das Buch ist ein Klassiker der Krimi-Literatur. Und trotz meiner Teeny-Buch-Eskapaden habe ich den Mist immerhin studiert – ich bin also auch die sogenannte „hohe Literatur“ gewöhnt und weiß sie für gewöhnlich auch zu würdigen. Das Problem lag, wie so oft, in der Kommunikation. Und zwar zwischen Herrn Chandler und mir. Das amerikanische Englisch der 30er Jahre klingt für mich ungefähr so verständlich wie Shakespeare in der Originalausgabe: Statt „When the hurly burly is gone.“ ist hier zum Beispiel von „rubbernecks“, „half-throttle“ die Rede. Am Ende ist „everything jake“. Jake?

Ich habe passagenweise kein Wort verstanden. Für einen Schnellleser wie mich ist das wirklich ein Problem. Frust! Zähneknirschend werde ich mir das Buch dann wohl nochmal auf Deutsch zu Gemüte führen – selbst wenn mein Stolz in der Ecke liegt und weint, mein Ehrgeiz ist ungebrochen!

Ein kleiner Trost gegen das Lese-Tief

Eine zweite Fast-Niederlage konnte abgewendet werden und hat mir mein persönliches Leseerlebnis der letzten Zeit dann doch noch gerettet. Elizabeth Georges Erstling „A Great Deliverance“ stellte sich nach über 200 Seiten mäßiger Spannung als solide Krimi-Unterhaltung heraus. Ich frage mich nur ein weiteres Mal, was englische Krimi-Autorinnen so an übergewichtigen Mordverdächtigen fasziniert… . Wenn mir der zweite Teil gefällt, schafft es Madame George sogar zu meinen Serientätern. Momentan bin ich da aber noch hin- und hergerissen. Kennt Ihr die Reihe? Wenn ja: Wird Havers irgendwann erträglich?

Die viel wichtigere Frage lautet jedoch: Seid Ihr stärker als ich und lest ein einmal begonnenes Buch bis zum bitteren Ende? Oder gehört Ihr auch zu den jammernden Buch-Abbrechern, die danach von Schuldgefühlen geplagt werden? Mimimimi…

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4 Antworten zu verspätete Montagsfrage: Bekenntnisse eines Buch-Abbrechers

  1. Anja schreibt:

    Ich breche ungern Bücher ab, ABER ich tu es, wenn es unerträglich wird. Derzeit quäle ich mich z. B. durch „Dann gute Nacht, Marie!“ und mag es eigentlich nicht abbrechen. Schiebe jetzt allerdings schon das vierte Buch dazwischen…sieht nicht gut aus für Marie *lach*

  2. Patricia schreibt:

    Da bekommt man als Autorin ein richtig schlechtes Gewissen. Ich versuche immer, so zu schreiben, dass die Leser nicht enttäuscht sind, aber das ist wirklich nicht einfach. Ich verspreche, mich zukünftig noch mehr zu bemühen 🙂

    • 3vordrei schreibt:

      Bitte – nicht noch jemand mit einem schlechten Gewissen! Wenn sich jetzt sowohl Autoren als auch Leser mit Schuldgefühlen plagen, macht das ganze doch keinen Spaß mehr. Es liegt ja auch nie an dem Buch allein, meistens ist es einfach das falsche Buch (für den falschen Leser) zur falschen Zeit. Oder in meinem Fall: Das richtige Buch in der falschen Sprache.

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