Serientäter mit Suchpotential: George Simenon – Kommissar Maigret

Serientäter mit SuchtpotentialSchande über mich, dass ich erst im dritten Teil meiner Serientäter auf George Simenon aufmerksam mache. Schande? Wahrscheinlich kennt Ihr ihn längst. Wenn nicht, dann aber los jetzt. Denn der Belgier schuf nichts geringeres als die Mutter aller Krimi-Reihen, den Opa, Vater, Onkel aller Columbos und Co.! Weitere Superlative folgen: Unglaublich ist nicht nur der Erfolg des schrulligen Kommissar Maigrets (es gibt insgesamt 75 Bände), sondern auch der Zeitraum, in dem Simenon seine Romane verfasste.Von 1931-1972 schickte der Schriftsteller seinen Pariser Kommissar auf Verbrecherjagd.

Mit Pfeife, Bollerofen und Melone

Am Quai des Orfèvres hat Maigret sein Büro. Hier verteidigt der zuweilen etwas spießige Kommissar seinen Kohleofen bis vor die letzte Instanz, denn von der im Präsidium eingeführten Zentralheizung hält der Traditionalist nichts. Vielleicht liegt es an seinem abwechslungsreichen Job, dass Maigret sich mit Veränderungen schwer tut. Seine Fälle löst er nämlich selten im stillen Kämmerlein, sondern bei seinen berühmt berüchtigten Gesprächen, die man kaum Verhöre nennen kann. Warum? Weil er Sie so geschickt führt, wie es später nur Columbo konnte. Und das ganze ohne „Eine Frage hätte ich da noch… .“

Was ich außerdem an den Maigret-Romanen liebe sind die Leute, mit denen Maigret zu tun hat. Ob bretonische Fischer, feine Damen, Dichter, Einzelgänger oder Dienstmädchen in Pariser Vorort-Siedlungen, Simenons Repertoire an spannenden, lustigen, skurrilen und vielschichtigen Figuren scheint unerschöpflich. Ende der Aufzählungen. Bei 75 Romanen, die über 40 Jahre verteilt erschienen, verzeiht man auch die ein oder andere Ungereimtheit innerhalb des Maigret-Kosmos. Auferstehungen von Toten, unklare Familienverhältnisse oder Geburtsdaten – geschenkt.

Zeitlos, spannend, Maigret

Ich habe mal ein Zitat gelesen, das ich jetzt nicht wiederfinde. Aber es besagt sinngemäß: „Das schöne an Maigret-Romanen ist, dass es selbst wenn man schon 20 gelesen hat, immernoch 55 weitere zu lesen gibt.“ Und dem kann ich nur zustimmen. Denn so, wie der behäbige Maigret es sich „in einer Untersuchnug wie in Pantoffeln bequem macht“, so bequem ist die Lektüre der kuriosen Fälle. Und das nicht etwa, weil sie eintönig wären, sondern weil man sich auf eines verlassen kann: Maigrets Spürhund-Intuition und Simenons Fähigkeit, kurzweilige, spannende Geschichten zu erzählen. Mit höchstens 200 Seiten sind die kurzen Krimis perfekt für kurzweilige Unterhaltung. Zeitlos, kurz, knackig – lesen!

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