Die große Krimi-Kritik oder was eine Bloggerin nicht mehr lesen mag

Krimi-KritikEs gibt sie immer wieder, diese größeren oder kleineren Dinge, die uns an Büchern stören. Aber hey, niemand ist perfekt. Oft genug halten sie uns nicht davon ab, die Bücher trotzdem zu lesen und sogar zu weiteren Büchern des Autoren zu greifen. Ich gebe zu, ich bin da nicht immer sofort lernfähig, vor allem dann nicht, wenn ich trotz der Störfaktoren einen Funken Potential im Krimi erkenne.

Doch hin und wieder geht ein Autor oder meinetwegen auch eine Romanfigur soweit, dass ich ohnehin schon ungeduldiger Mensch ein Buch durch die U-Bahn werfen möchte. Inspiriert von Paperthins letzter Montagsfrage möchte ich jetzt ein kleines Manifest dazu vorlegen. Das druckt Ihr Euch bitte alle aus, hängt es an eure Pinnwände und klebt es an Laternenpfähle.

Dinge, die ich in Krimis nicht mehr lesen möchte.

Also beginnen wir mit den drei großen No-No-Nos, die mich an Krimis zunehmend stören. Im von mir so geschätzten Krimi-Genre gab es da so einiges, deshalb musste ich mich drastisch reduzieren.

Der depressive Cop und die böse, böse Welt

Ein Thema, das viele zu nerven scheint. Aber offenbar haben es die Verlage und Autoren noch nicht begriffen und versorgen uns weiterhin mit ihren Borderline-Ermittlern. Nach dem 100. Roman zum Thema ist selbst uns klar: Polizisten haben einen schweren Job. Sie ermitteln am Rande der Gesellschaft und werden mit menschlichen Abgründen konfrontiert, die wir – Moment mal! – im besten Falle nur aus Krimis kennen. Aber ist es dennoch notwendig, jeden zweiten Kommissar, Ermittler, Detektiv als Mid-Life-Crisis geplagten Mitvierziger zu porträtieren? Ich sage nein.

Und mal im Ernst, Herr Wallander, Herr Morck und auch Herr Hjelm, Teeny-Kinder zu haben, ist bestimmt nicht leicht. Aber es gibt Schlimmeres! Aber das wisst Ihr Cops natürlich auch. So eine Mordermittlung zum Beispiel oder, wie in eurem Falle, der nervende Kollege, Vorgesetzte oder Sekretär. Ein bisschen Kompetenzgerangel ist ja bekanntlich gut für’s Krimi-Geschäft – aber es sollte dann doch bitte so galant wie bei Commissario Brunetti ablaufen, dem seine komischen Kollegen nämlich mal gepflegt am Allerwertesten vorbeigehen.

Überhaupt könnten sich unsere Schmuddel-Cops an dem Gentleman unter den Ermittlern eine Scheibe abschneiden. Denn wie kein anderer vermag es Brunetti nach einer aufreibenden aber abgeschlossenen Ermittlung, einfach nach Hause zu gehen. Und mit seiner Familie ein Abendessen zu genießen. Ganz ähnlich gesund handhabt es auch die Kommissarin Petra Delicado in ihrer Serie von Alicia Giménez-Bartlett.

Ausgerechnet dieses gute Beispiel bringt mich zu der Frage: Was ist mit den guten Ermittlerinnen? Außer ein paar Gerichtsmedizinerinnen, denen meist dann doch ein männlicher, „echter“ Vertreter der Exekutive an die Seite gestellt wird, fallen mir nur eine handvoll weiblicher Hauptfiguren ein. Ich frage mich manchmal ernsthaft, was diese Standard-Konstellation aus depressivem Mitvierziger und seinen Widersachern über die Zielgruppe von Krimis aussagt. So richtig angesprochen fühle ich mich davon jedenfalls nicht.

Dicke, doofe, deformierte Täterinnen

Das Pendant zu depressiven Cops sind deformierte Serientäterinnen. Es gibt schon wenige gute Ermittlerinnen (Lisbeth Salander war eine Rettung!), aber noch schwerer hat es die Gruppe der Täterinnen. Ich habe in meiner Rezension zu Minette Walters „Die Bildhauerin“ und in einem Kommentar zu Elizabeth Georges „ A Great Deliverance“ bereits erklärt, was mich an grotesk-übergewichtigen oder hässlichen Mörderinnen stört.

Mindestens genau so ermüdend sind jedoch die auf Leistung getrimmten, sich die Brüste amputieren lassenden Agentinnen oder andere Amazonen, die in feministischen Säuberungsaktionen die Welt retten möchten. Während sich weibliche Autorinnen eher auf die Dicken eingeschossen haben, scheinen männliche Autoren eher die Amazonen für sich entdeckt zu haben. Eine Aufteilung, die nicht wirklich erstaunt. Klar, dass diese Überfrauen dann am Ende immer in letzter Minute von ihrem teuflischen Plan abgehalten werden. Ich kann gar nicht laut genug seufzen. Ich frage Euch: Was ist mit den richtigen Schurkinnen los? Fun-Fact: Die beste Bösewichtin und gleichzeitige Heldin, die mir einfällt, ist wiedermal Lisbeth Salander.

Sadisten und unnötige Gewalt

„Ähm, sorry, 3vordrei – aber vielleicht bist du einfach im falschen Genre gelandet?“ Eine sehr gute Frage, die ich aber ganz klar mit dem zweiten fetten nein im Text beantworten kann. Ich möchte jetzt hier kein großes Fass zum Thema: „Wann ist Gewalt denn bitte überhaupt mal NOTWENDIG?“ aufmachen. Ich möchte lediglich anmerken, dass die Qualität eines Krimis nicht anhand der Liter geflossenen Blutes gemessen wird. Im Gegenteil. Wenn es etwas gibt, das ich wirklich nicht mehr lesen mag, dann ist es zum Selbstzweck gewordene Gewalt. Nicht, dass ich als Arne Dahl-Fan besonders zimperlich wäre, aber die Darstellung von puren Sadisten bringt einfach keine Story weiter.

So, nachdem ich mich nun über Dinge ausgelassen habe, die ich nicht mehr lesen mag, kommen wir im nächsten Blogpost zum konstruktiven Teil. Apropos: Es ist total klar, dass die Bücher, in denen diese Dinge vorkommen, nicht per se schlecht sind – im Gegenteil! Gerade in guten Büchern bringt mich so etwas auf die Palme. Meine Rehabilitation folgt. Unter dem Titel:

„Dinge, die ich mehr in Krimis lesen möchte.“ möchte ich meine ganz persönlichen Verbesserungsvorschläge an die Weltöffentlichkeit bringen. Denn wer so viel meckert, muss schließlich auch etwas positives zur Diskussion beitragen.

Und da seid natürlich auch Ihr gefragt: Worauf habt Ihr in Krimis überhaupt keine Lust mehr und was würdet Ihr gerne öfter lesen?

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